Runde Sache beim ADAC Reifentest & Skandal bei Nokian

© Quelle: ADAC/ Wolfgang Grube
 

 

Die warme Jahreszeit kommt so langsam aber sicher näher und damit wechseln nicht nur wir zunehmend auf Sommerkleidung, sondern auch das Auto. Damit letztlich auch die besten Reifen an das Auto kommen, informieren sich viele Autofahrer bei einem der zahlreichen Sommerreifentests der verschiedenen Medien. Auch der ADAC hat 2016 wieder fleißig getestet und 32 Modelle genauer unter die Lupe genommen. Was auffällt: Kein Reifen besteht den Test mit dem Prädikat „sehr gut“, ein Reifen fällt mit der Note „mangelhaft“ sogar durch.

Testergebnisse des ADAC

Getestet wurden insgesamt 32 Reifenmodelle in zwei verschiedenen Reifengrößen, einmal geeignet für Mittelklassewagen (225/45 R17 94 Y) und zum anderen für Kleinwagenmodelle (185/65 R15 88 H). Getestet wurden die Reifenmodelle der verschiedenen Hersteller in den Kategorien Verschleiß, Kraftstoffverbrauch, Geräuschpegel sowie Verhalten auf nasser bzw. trockener Fahrbahn. Zu einer Abwertung des Reifenmodells kam es oftmals aufgrund einer schwachen Leistung auf dem nassen Untergrund. Denn die Herstellung eines Reifens ist oft eine Abwägung zwischen einem optimalen Nässeverhalten und charakteristisch guten Eigenschaften für einen trockenen Untergrund. Genauer gesagt: Tiefe Längsrillen in einem Reifen verhindern das Aufschwimmen eines Autos, also das Aquaplaning, gehen aber beispielsweise zu Lasten eines guten Kurvenverhaltens bei trockener Fahrbahn. Welcher Hersteller diesen Zielkonflikt am besten lösen konnte und von welchem Model man besser Abstand nehmen sollte, seht ihr hier in den offiziellen Testergebnissen des ADAC Sommerreifentests 2016.

Der schwarze Freitag bei Nokian Tyres

Die Entscheidung für den richtigen Reifen fällt nicht immer leicht, weshalb sich viele Autofahrer auf genau solche Testergebnisse verlassen und anhand der Ergebnisse ihre Entscheidung treffen. Genau dieses Vertrauen bekommt jetzt allerdings einen großen Dämpfer und es steht die große Frage im Raum: Wie vertrauenswürdig sind solche Tests noch?

Nur einen Tag nach der Veröffentlichung des ADAC Sommerreifentests überschlagen sich die Ereignisse bei dem finnischen Reifenhersteller Nokian Tyres. Auch der ADAC testete zwei Modelle von diesem Hersteller. Am Freitagmorgen letzter Woche veröffentlichte die finnische Finanzzeitung „Kauppaletiti“ einen Artikel, in dem sie schwere Vorwürfe gegen den genannten Reifenhersteller erheben. Demnach lagen den Redakteuren interne E-Mails des Unternehmens vor, die beweisen, dass Nokian über Jahre hinweg bewusst Reifentests manipuliert hat. Der Reifenhersteller soll bewusst Reifen extra für die Fachpresse produziert haben, welche dem gleichen Modell aus dem freien Handel völlig überlegen waren. Auf sämtliche Anfragen der Presse schwieg das Unternehmen zunächst. Allerdings wurden der Druck und die Beweislast über den Tag hinweg scheinbar zu groß, so dass es am Freitagabend zu einer offiziellen Stellungnahme des Nokian Chefs, Ari Lehtoranta kommt. Nokian gibt noch am gleichen Tag die Manipulationsvorwürfe zu und entschuldigt sich öffentlich.

Das Unternehmen hat also über mehr als zehn Jahre bewusst bei Reifentests manipuliert und der Fachpresse Autoreifen mit einer besseren Gummimischung zugesendet. Das Ergebnis: Dutzende Testergebnis-Auszeichnungen, die das Unternehmen seit 2012 auf seiner Website abbildet, könnten bewusst manipuliert worden sein. Nach eigenen Angaben des Unternehmens wurde diese Art der Manipulation im letzten Jahr durch geänderte Richtlinien eingestellt. Auch bei den Testern hat schon vor Bekanntwerden dieses Skandals vielmals ein Umdenken stattgefunden, demnach kaufen viele die zu testenden Reifen mittlerweile direkt im Einzelhandel und lassen sich diese kaum noch direkt von den Unternehmen zusenden. Das lässt annehmen, dass die Testergebnisse in den letzten Jahren sauberer geworden sind.

Kann man dem ADAC Test vertrauen?

Kurze und ehrliche Antwort: Ja! Der ADAC arbeitet seit mehreren Jahren bereits mit einem mehrstufigen Einkaufsprozess bei solchen Tests, welcher genau solche Manipulationsmöglichkeiten seitens der Unternehmen verhindert. Der Automobilclub kauft je Testmodell 28 Reifen, aufgeteilt in kleine Mengen bei bis zu sechs verschiedenen Einzelhändlern und kauft zu einem späteren Zeitpunkt jeweils noch einen weiteren Satz Reifen, ebenfalls beim Einzelhändler. Ein ähnliches Vorgehen bestätigt auch die Motorpresse. Allerdings ist sonst noch völlig unklar, wann und bei welchen Tests betrogen wurde.

Was folgt auf dieses Manipulationsgeständnis?

Die konkreten Folgen dieser Manipulation bleiben abzuwarten, denn bisher ist noch wenig klar, wie weitreichend dieses Vorgehen überhaupt war. Aktuell steht vor allem die Frage im Raum, ob es für erfolgreiche Manipulationen sogar ein unternehmensinternes Belohnungssystem gegeben hat. Solche Informationen liegen angeblich dem Branchendienst „Neue Reifenzeitung“ vor, bestätigen wollte Nokian diese Vorwürfe bisher allerdings nicht. Die durchgeführten Manipulationen könnten beim Bekanntwerden der konkret betroffenen Tests, natürlich auch ein negatives Licht auf die entsprechenden Autozeitschriften und Testorganisationen werfen. Weiterhin ist auch unklar, ob es zu Rückrufen oder sogar Klagewellen kommen wird. Und natürlich wird man jetzt auch das Vorgehen anderer Reifenhersteller diesbezüglich genauer unter die Lupe nehmen.

Abbinder Werkstatt

 

Ein Gedanke zu „Runde Sache beim ADAC Reifentest & Skandal bei Nokian“

  1. Toller Artikel, wieder was neues gelernt.
    Grade die Sache mit dem Vertrauen spielt vor allem wen es ums Auto geht eine große Rolle. Jeder möchte sein Wagen ja in gute Hände geben.!

    Danke für den Beitrag und Viele Grüße 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*